Stadien und Arenen stehen unter Druck: Sie sollen nachhaltiger werden, das Fan-Erlebnis verbessern und gleichzeitig neue Umsatzquellen erschliessen. Die Kölner Mehrwegplattform Vytal hat dafür eine Antwort entwickelt: smarte Mehrwegbecher, die nicht nur Verpackungsabfall reduzieren, sondern als digitale Infrastruktur für Sponsoren, Fan Engagement und operative Effizienz dienen. Dr. Josephine Kreische, Co-CEO bei Vytal, erklärt, wie das Modell funktioniert.
Der Becher als digitale Infrastruktur
Der Kern des Vytal-Modells unterscheidet sich grundlegend von klassischen Pfandsystemen. «Erfasst werden Ausgabe- und Rückgabepunkte, so wissen wir genau, wo im Venue Rückgabestationen gebraucht werden», erklärt Dr. Josephine Kreische, Co-CEO bei Vytal. «Über optionale Gamification-Elemente wie Verlosungen lassen sich zudem Bewegungsmuster und Produktpräferenzen der Fans erfassen.»
Was dabei entsteht, ist mehr als ein nachhaltiger Becher. Der Mehrwegbecher wird zum Medium: ein gebrandetes Objekt in der Hand des Fans, ein digitaler Datenpunkt im Venue-Betrieb und ein messbarer Touchpoint für Sponsoren. Über den QR-Code auf dem Becher können Fans direkt die nächste Bestellung auslösen oder mit einer Sponsoring-Kampagne interagieren. Kreische betont: «Dabei erfassen wir übrigens keine personenbezogenen Daten.»
Das Bibliotheks-Modell statt klassischem Pfand
Eine der erstaunlichsten Kennzahlen von Vytal ist die Rückgabequote: über 99 Prozent. Kreische erklärt das Prinzip: «Das liegt an unserem plattformgesteuerten System, das im Prinzip wie eine Bibliothek funktioniert: Jeder Becher ist über eine eindeutige ID individuell identifizierbar. Man leiht sich den Becher aus, wie ein Buch, kostenlos. Erst wenn er nicht zurückgebracht wird, entsteht eine Zahlungsverpflichtung.»
«Diese Verlust-Perspektive ist ein weitaus stärkerer Anreiz als eine klassische Pfandlogik», sagt Kreische. «Genau dieser psychologische Unterschied, verbunden mit einer klaren Rückgabefrist und individueller Nachverfolgbarkeit, sorgt dafür, dass unsere Rückgabequote deutlich über der klassischer Pfandsysteme liegt.»
Europa und Nordamerika: Zwei Märkte, zwei Stärken
Vytal ist bereits auf beiden Seiten des Atlantiks präsent. «Europa ist beim Reuse-Gedanken und der Prozess- und Infrastrukturreife weiter», erklärt Kreische. «Die USA sind uns dagegen im Bereich Experience Management deutlich voraus: Der Fokus liegt konsequent auf dem Erlebnis der Gäste, nicht nur auf Sport oder Konzert, sondern auf allem drumherum.»
Dieser Trend komme nun auch nach Europa. «Wir lernen aus beiden Märkten und bringen das zusammen», so Kreische.
Nachhaltigkeit als Türöffner, nicht als Hauptmotiv
«Ja, die Nachfrage steigt spürbar, getrieben unter anderem durch die kommende PPWR und nationale Regulierungen», erklärt Kreische. «Auffällig ist aber: Reine Nachhaltigkeitskriterien sind selten der Hauptauslöser.» Was Betreiber wirklich bewegt, ist eine Kombination: das bessere Fan-Erlebnis und der Wunsch, als Vorreiter im Markt sichtbar zu sein. «Genau da sehen wir unsere Stärke: Wir denken Mehrweg von Anfang an als Teil der Fan-Experience mit, nicht nur als Compliance-Thema.»
Ist Einweg wirklich günstiger?
Ein häufiges Argument gegen Mehrweg sind die Kosten. Kreische widerspricht klar: «Wir teilen die Prämisse nicht. Einweg wirkt günstig, weil die Kosten des ständigen Nachkaufs unterschätzt werden.» Mehrweg könne dagegen zur Einnahmequelle werden: durch Sponsoring, aber auch durch die automatische Kaufgebühr bei Nichtrückgabe. «Und unbequem ist meist eine Frage der Integration: Ist Mehrweg direkt in den POS- und F&B-Prozess eingebunden, so wie wir es dank Integrationen in verschiedene Kassensysteme ermöglichen, entsteht für den Gast kein Mehraufwand.»
Sponsoring auf dem Becher: Neue Einnahmequellen
Der Mehrwegbecher wird zur Sponsoringfläche: sichtbar, physisch präsent im Venue und digital aktivierbar über QR-Code. Konkrete Zahlen zu den möglichen Zusatzeinnahmen nennt Kreische bewusst nicht: «Die Zusatzeinnahmen durch Sponsoring auf Mehrwegbechern sind für Venue-Betreiber durchaus signifikant, konkrete Zahlen sind aber stark abhängig vom einzelnen Venue und Deal.»
Wachstumsmärkte: Wo Vytal investiert
Mit dem neuen Wachstumskapital will Vytal seine Präsenz in Deutschland, Frankreich, Spanien, dem Vereinigten Königreich und den USA ausbauen. Dabei räumt Kreische mit einer verbreiteten Annahme auf: «Im deutschsprachigen Raum hält sich oft die Annahme, Deutschland sei der reifste Markt für Mehrweg. Tatsächlich sehen wir, dass die Dynamik zunehmend ausserhalb Deutschlands zunimmt, getrieben durch Regulierung und eine schnellere Adoption digitaler Lösungen.»
Für die Schweiz gibt Kreische eine nüchterne Einschätzung: «Die Schweiz ist als Nicht-EU-Land und Nicht-Zollunion-Mitglied für uns operativ komplexer und teurer als der EU-Raum. Kombiniert mit der Marktgrösse ist die Schweiz für uns aktuell kein Markt, in den wir aktiv mit eigenem Team investieren. Wir sind aber offen für Anfragen und gehen opportunistische Chancen gerne an, wenn sie sich ergeben.»

Die Plattform hinter dem Becher: Vytal.ONE
Das neue Kapital fliesst vor allem in den Ausbau von Vytal.ONE. Kreische beschreibt die Vision: «Wir glauben, dass die Zukunft nicht einzelnen Bechern oder Behältern gehört, sondern intelligent vernetzten Mehrwegnetzwerken, die weit über die Verpackung hinaus Mehrwerte schaffen. Vytal.ONE ist unsere Plattform, die fragmentierte Mehrwegangebote mit dem Ziel konsolidiert, Mehrweg für Unternehmen und Verbraucher so einfach, bequem und wirtschaftlich attraktiv zu machen, dass Einwegverpackungen zur Ausnahme werden.»
Was das für die Eventbranche bedeutet
Für Caterer, Concessionaires und Venue-Betreiber, die heute über den Umstieg nachdenken, lohnt sich ein genauer Blick auf die wirtschaftlichen Argumente. Wenn Mehrweg nicht nur Kosten senkt, sondern neue Einnahmen schafft und gleichzeitig das Fan-Erlebnis verbessert, verändert sich die Diskussion grundlegend. Es geht dann nicht mehr um die Frage, ob man sich Mehrweg leisten kann, sondern ob man es sich leisten kann, darauf zu verzichten.
Häufig gestellte Fragen
Wie funktioniert das Vytal-System in der Praxis?
Fans erhalten beim Getränkekauf einen mit einer eindeutigen ID versehenen Mehrwegbecher kostenlos. Wird der Becher nicht innerhalb der vorgegebenen Frist zurückgebracht, entsteht automatisch eine Kaufgebühr. Dieses Bibliotheks-Modell erzeugt laut Vytal eine Rückgabequote von über 99 Prozent, deutlich höher als bei klassischen Pfandsystemen.
Ist das Vytal-Modell auch für kleinere Veranstalter und KMU interessant?
Vytal ist als Plattform für alle Akteure im Gastronomiebereich zugänglich – von Stadien und Arenen bis hin zu kleineren Betrieben und KMU. Wir bieten dafür unterschiedliche, einfachere Pakete an, die gezielt auf den Alltag kleinerer Betriebe zugeschnitten sind. Die Anmeldung erfolgt unkompliziert über unsere Website – so können sich auch KMU schnell und einfach auf kommende nationale Regulierungen vorbereiten.
Was bedeutet das neue Wachstumskapital für Vytal?
Das frische Kapital fliesst in den Ausbau der digitalen Plattform Vytal.ONE, die Stärkung der internationalen Marktposition und die Deckung der steigenden Nachfrage aus dem Sport- und Entertainmentsektor. Eigene Teams plant Vytal vorerst in Deutschland, Frankreich, Spanien, dem Vereinigten Königreich und den USA.

