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Quick Commerce im Aufwind: Just Eat und Migros liefern gemeinsam

Ab dem 4. Mai 2026 sind über 10’000 Migros-Artikel exklusiv über die Just Eat-App bestellbar und werden in unter 60 Minuten geliefert. Die Partnerschaft zwischen der führenden Schweizer Lieferplattform und dem grössten Detailhändler des Landes markiert einen Meilenstein im Schweizer Quick-Commerce-Markt. Was steckt dahinter, und was bedeutet dieser Schritt für den Schweizer Detailhandel?

Der Schweizer Detailhandel erlebt einen strukturellen Wandel. Was vor wenigen Jahren noch undenkbar schien, ist heute Realität: Wer einen Wocheneinkauf bei der Migros machen möchte, kann das bequem über eine Lieferapp tun und erhält die Ware innerhalb einer Stunde direkt nach Hause. Die Schweizer Delivery-Plattform Just Eat und die Migros machen genau das möglich, mit einer Partnerschaft, die am 4. Mai 2026 an den Start geht.

Über 10’000 Artikel des grössten Schweizer Detailhändlers sind ab diesem Datum exklusiv auf der Just Eat-App verfügbar. Die Lieferung erfolgt zu regulären Ladenpreisen inklusive der üblichen Supermarkt-Rabatte. Der operative Rollout startet in den Genossenschaften Migros Genf, Wallis und Tessin, wo insgesamt 33 Filialen gleichzeitig live gehen.

Quick Commerce: Ein globaler Trend erreicht die Schweiz

Quick Commerce, also die ultraschnelle Lieferung von Alltagsgütern auf Abruf, ist international kein Nischenphänomen mehr. In Grossstädten wie London, Amsterdam oder Berlin haben sich entsprechende Plattformen in den letzten Jahren etabliert und das Einkaufsverhalten einer ganzen Generation verändert. Die Schweiz hat diesen Wandel bisher etwas langsamer vollzogen als ihre westeuropäischen Nachbarn, holt aber rasch auf.

Laut Just Eat haben sich die Bestellungen im On-Demand-Bereich in der Schweiz allein im letzten Jahr verdoppelt. Séverine Linda Götz, Manager Corporate Communications Switzerland bei Just Eat Takeaway.com, erklärt: «Der Trend zur On-Demand-Gesellschaft ist ungebrochen: Konsumentinnen und Konsumenten erwarten heute, dass Waren, ob warme Mahlzeiten oder Lebensmittel, jederzeit und unmittelbar verfügbar sind. Zeit ist zum wertvollsten Gut geworden und prägt das Konsumverhalten grundlegend.»

Just Eat identifiziert dabei drei zentrale Kundenbedürfnisse: den Wunsch nach kleinen, erschwinglichen Luxusmomenten, die Sehnsucht nach einem unkomplizierten Alltag und das Bedürfnis nach absoluter Zuverlässigkeit. Besonders bei der jungen Zielgruppe spiele das Prinzip der sofortigen Bedürfnisbefriedigung eine zentrale Rolle. Das Unternehmen hat bereits vor zwei Jahren als Pionier On-Demand-Partner in sein Plattformangebot integriert und 2025 das Sortiment deutlich erweitert, etwa um Tierfutter, Blumen, Selfcare- und Gesundheitsprodukte sowie Lebensmittel des täglichen Bedarfs.

Just Eat: Von der Studenten-Idee zur Marktführerin

Just Eat ist in der Schweiz keine unbekannte Grösse. Das Unternehmen wurde 2007 als Eat.ch von ehemaligen HSG-Studenten gegründet und hat sich seither zur führenden Lieferplattform des Landes entwickelt. Heute vernetzt das Portal landesweit 7’000 Anbieter mit rund 1,5 Millionen aktiven Kunden und deckt über 90 Prozent aller Postleitzahlen ab. In über 30 Schweizer Städten ist das Unternehmen bereits mit seinem eigenen Logistikmodell aktiv.

Seit 2025 gehört Just Eat Takeaway.com zum globalen Technologiekonzern Prosus, der in mehr als 100 Märkten tätig ist und Lifestyle-E-Commerce-Unternehmen entwickelt, die zusammen über zwei Milliarden Kunden bedienen. Diese Konzernzugehörigkeit verschafft Just Eat Schweiz Zugang zu internationalen Ressourcen, Technologien und Erfahrungswerten, die für den Aufbau von Quick-Commerce-Strukturen entscheidend sind.

Monate der Vorbereitung

Hinter der Migros-Partnerschaft steckt intensive Arbeit. «Von Beginn an war es unser Ziel, mit einem der grossen Schweizer Detailhändler zu kooperieren», erklärt Götz. Als die Zusammenarbeit mit Migros konkreter wurde, arbeiteten über mehrere Monate zahlreiche Teams in der Schweiz und am Hauptsitz in Amsterdam intensiv an dem Projekt.

Die grösste Herausforderung lag in der Koordination: «Die vielfältigen Aufgaben und Kompetenzen aus Bereichen wie Kundenservice, Logistik, Vertrieb, Marketing, Kommunikation, Finanzen, Accounting und Business Intelligence mussten gebündelt werden, um eine nahtlose Customer Journey zu gewährleisten», so Götz. Alle Mitarbeitenden in den 33 Filialen wurden umfassend geschult, die technologische Lösung optimal in die bestehenden Migros-Strukturen integriert.

Just Eat Kurier verlässt Migros Filiale mit Lieferbestellung

Warum Genf, Wallis und Tessin zuerst

Die Wahl der Startregionen ist strategisch durchdacht. Migros verfügt in Genf und Wallis bereits über Erfahrung mit Lieferdienstleistungen. Das Tessin ist für Just Eat ein neues Erschliessungsgebiet, in dem das Unternehmen nun mit einer eigenen Flotte expandiert. Die Deutschschweiz steht als nächster Schritt auf der Agenda: «Für Just Eat ist es ein klares Ziel, das Angebot auf weitere Regionen und insbesondere auf die Deutschschweiz auszuweiten», erklärt Götz.

Wie die Logistik funktioniert

Das Modell ist klar aufgeteilt: Die Bestellungen werden im jeweiligen Supermarkt durch Migros-Fachpersonal kommissioniert und für den Versand vorbereitet. Just Eat übernimmt die Auslieferung mit einer eigenen Kurierflotte. Die Zustellung erfolgt im Umkreis von 12 Kilometern durch einen Mix aus Autos, E-Bikes und Fahrrädern. Lieferungen ab 7,5 Kilogramm werden ausschliesslich per Auto transportiert.

Die Frischekette wird dabei lückenlos überwacht. «Sobald eine Bestellung eingeht, weiss Migros exakt, wann unser Fahrer eintrifft, und bereitet die Ware just in time für die Abholung vor», erklärt Götz. «Wir messen und kontrollieren diese Zeiten laufend, um sicherzustellen, dass die Frischekette zu keinem Zeitpunkt unterbrochen wird.»

Ein Merkmal, das Just Eat von vielen Mitbewerbern unterscheidet: Die Fahrer sind nach Schweizer Arbeitsrecht fest angestellt, versichert und erhalten Sozialleistungen. «Das Modell der Festanstellung ermöglicht uns eine deutlich höhere Kontrolle und Prozesssicherheit», sagt Götz. «Es ist jedoch ein hart umkämpfter Markt, in dem für alle Teilnehmer die gleichen Spielregeln gelten sollten.»

Komfort als zentrales Versprechen

Was bewegt Konsumentinnen und Konsumenten dazu, ihren Einkauf über eine Lieferapp zu tätigen, wenn der Supermarkt möglicherweise nur wenige Minuten entfernt liegt? Die Antwort liegt nicht primär in der Bequemlichkeit beim Stöbern, sondern in konkreten Alltagssituationen. «Wir bieten unseren Kundinnen und Kunden vor allem Zeitersparnis und Komfort, etwa wenn das Auto nicht verfügbar ist, man keine schweren Taschen schleppen möchte oder der nächste Laden weit entfernt liegt», erklärt Götz.

Ob sich der Service finanziell lohne, entscheide letztlich jede und jeder individuell. Just Eat beobachte jedoch eine stetig steigende Bereitschaft, für diesen Mehrwert zu bezahlen. Diese Entwicklung deckt sich mit internationalen Studien, die zeigen, dass Konsumentinnen und Konsumenten bereit sind, für Zeit und Komfort mehr auszugeben, wenn der Service zuverlässig und schnell ist.

Person mit Einkaufskorb bestellt via Just Eat App auf dem Smartphone

Keine Grenzen für das Modell

Just Eat positioniert sich mit dieser Partnerschaft klar als Quick-Commerce-Plattform, die weit über klassische Restaurantbestellungen hinausgeht. Auf die Frage nach den Grenzen dieses Modells antwortet Götz klar: «Wir sehen für dieses Modell keine grundsätzlichen Grenzen. Wir entwickeln uns stetig weiter und passen unsere Logistiklösungen dynamisch an die Anforderungen verschiedener Warengruppen an.» Mit dem Einsatz einer Autoflotte eröffneten sich zudem ganz neue Möglichkeiten für schwerere oder empfindlichere Produkte.

Weitere Retail-Partnerschaften seien in Planung, könnten jedoch noch nicht bekannt gegeben werden. Just Eat arbeite kontinuierlich daran, die Kategorien zu erweitern, etwa in den Bereichen Health & Beauty, Elektronik und Tierbedarf.

Was das für KMU im Detailhandel bedeutet

Die Partnerschaft zwischen Just Eat und Migros sendet ein Signal, das über die beiden Unternehmen hinausgeht. Sie zeigt, dass Quick Commerce in der Schweiz angekommen ist und sich als fester Vertriebskanal etabliert. Für KMU im Detailhandel stellt sich die Frage, wie sie auf diesen Trend reagieren können.

Plattformen wie Just Eat bieten auch kleineren Anbietern die Möglichkeit, ihre Produkte schnell und zuverlässig an Endkunden zu liefern, ohne eigene Logistikstrukturen aufzubauen. Das senkt die Einsteighürde erheblich. Gleichzeitig steigt der Erwartungsdruck: Wer nicht liefern kann, verliert Sichtbarkeit in einer zunehmend digitalen Einkaufswelt.

Ausblick

Der Schweizer Quick-Commerce-Markt befindet sich in einem frühen, aber dynamischen Stadium. Mit der Migros-Partnerschaft setzt Just Eat ein klares Zeichen und positioniert sich als zentraler Player in einem Markt, der weiter wachsen wird. Die Erweiterung auf die Deutschschweiz und weitere Retail-Partnerschaften dürften in den kommenden Monaten für weitere Bewegung sorgen. Für Konsumentinnen und Konsumenten bedeutet das mehr Auswahl, mehr Komfort und eine Einkaufswelt, die sich weiter in Richtung On-Demand bewegt.

Häufig gestellte Fragen

Was beinhaltet die Partnerschaft zwischen Just Eat und Migros?

Ab dem 4. Mai 2026 sind über 10’000 Migros-Artikel exklusiv auf der Just Eat-App verfügbar und werden in unter 60 Minuten zu regulären Ladenpreisen geliefert. Der Rollout startet in den Genossenschaften Migros Genf, Wallis und Tessin mit 33 Filialen gleichzeitig.

Wie funktioniert die Lieferung konkret?

Migros-Fachpersonal kommissioniert die Bestellungen just in time, Just Eat übernimmt die Auslieferung mit einer eigenen Flotte aus Autos, E-Bikes und Fahrrädern. Die Fahrer sind fest angestellt und nach Schweizer Arbeitsrecht versichert. Die Lieferung erfolgt im Umkreis von 12 Kilometern.

Was bedeutet der Quick-Commerce-Trend für KMU?

Plattformen wie Just Eat ermöglichen auch kleineren Detailhändlern, ihre Produkte schnell und zuverlässig zu liefern, ohne eigene Logistikstrukturen aufzubauen. Gleichzeitig steigt der Erwartungsdruck der Konsumentinnen und Konsumenten an Schnelligkeit und Verfügbarkeit.

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