Tradition trifft Zukunft: Gerber Champignons AG setzt auf Kontinuität und Innovation

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Urs Trachsel Geschäftsführer Gerber Champignons AG

Mit Urs Trachsel übernimmt seit Januar 2026 ein erfahrener Kenner des Unternehmens die Geschäftsführung der Gerber Champignons AG. Der älteste Champignonzuchtbetrieb der Schweiz steht vor der Herausforderung, fast 90 Jahre Tradition mit den Anforderungen eines modernen Lebensmittelmarkts zu verbinden. Ein Gespräch über Nachfolge, Nachhaltigkeit und die Chancen pflanzlicher Ernährung.

Die Gerber Champignons AG gehört zu den beständigsten Unternehmen der Schweizer Lebensmittelbranche. Gegründet 1937 von Fritz Gerber in zwei Kellern im bernischen Toffen, hat sich der Betrieb über Jahrzehnte zum ältesten Champignonzuchtbetrieb der Schweiz entwickelt. Heute beschäftigt das Unternehmen rund 70 Mitarbeitende am Standort Seftigen/Burgistein und produziert das ganze Jahr über frische Pilze für den Schweizer Markt.

Seit dem 1. Januar 2026 verantwortet Urs Trachsel die operative Leitung des Unternehmens. Er übernimmt von Cyrill Busslinger, der den Betrieb zehn Jahre lang geführt hat. Trachsel ist kein Unbekannter im Unternehmen und kennt die Gerber Champignons AG aus langjähriger Tätigkeit. Er bringt Erfahrung in den Bereichen Lebensmittelproduktion und Unternehmensführung mit.

Eine Marke als Fundament

Für Trachsel ist die Geschichte des Unternehmens kein Ballast, sondern ein klarer Wettbewerbsvorteil. «Die fast 90-jährige Geschichte von Gerber Champignons ist für uns ein grosser Vertrauensbeweis. Wir stehen für Qualität, Verlässlichkeit und regionale Verankerung, Werte, die im heutigen Markt wichtiger denn je sind», sagt er. Viele Kunden, Partner und Mitarbeitende verbänden mit dem Namen Beständigkeit und Schweizer Herkunft.

Gleichzeitig ist sich der neue Geschäftsführer bewusst, dass Tradition allein nicht ausreicht. Der grösste Anpassungsbedarf liege darin, diese Tradition konsequent in die Zukunft zu führen. Moderne Prozesse, Digitalisierung, nachhaltige Produktion und ein stärkeres Marktverständnis stehen dabei im Vordergrund. «Tradition ist nur dann ein Vorteil, wenn man sie mit Innovationskraft verbindet», betont Trachsel.

Stabilität als Priorität

In seinen ersten zwölf Monaten setzt Trachsel auf Kontinuität. Bestehende Prozesse sollen geprüft und wo sinnvoll mit neuen Technologien unterstützt werden, auch im Bereich der künstlichen Intelligenz. «KI gewinnt auch in KMU immer mehr an Bedeutung und kann uns in der täglichen Arbeit unterstützen», erklärt er.

Ein besonderes Augenmerk gilt dem Maschinenpark und der laufenden Modernisierung. «Bei einem gewachsenen und eher älteren Produktionsbetrieb ist es wichtig, die Herausforderungen nicht zu unterschätzen, insbesondere im Bereich Maschinen, Unterhalt und laufender Modernisierung», sagt Trachsel. Ein Führungswechsel bedeute für ihn nicht, Dinge um des Wechsels willen zu verändern. «Entscheidend ist, auf dem aufzubauen, was sich über Jahre bewährt hat.»

Teil einer starken Gruppe

Seit 2020 gehört die Gerber Champignons AG zur Wauwiler Champignons AG, wird aber weiterhin eigenständig geführt. Für Trachsel ist diese Konstellation ein klarer Vorteil. Die Zugehörigkeit zur Gruppe ermögliche wichtige Synergien im Einkauf, im Know-how-Austausch und bei strategischen Fragestellungen. «Gerade in einem anspruchsvollen Marktumfeld ist der regelmässige Austausch innerhalb der Gruppe ein klarer Vorteil und hilft uns, gemeinsam stärker aufzutreten», so Trachsel.

Die Eigenständigkeit des Standorts Seftigen bleibt dabei zentral. Die gewachsenen Strukturen und die eigenständige Produktion seien ein wichtiger Erfolgsfaktor. Gemeinsam mit der Wauwiler Champignons AG soll die Position von Schweizer Pilzen im Markt weiter gestärkt und der Anteil gegenüber Importware langfristig gesichert werden.

Produktionsstandort Gerber Champignons AG in Seftigen Burgistein

Qualität statt Preiskampf

Der Schweizer Lebensmittelmarkt steht unter erheblichem Preisdruck durch ausländische Konkurrenz. Gerber Champignons setzt bewusst auf eine andere Strategie. «Wir können und wollen nicht primär über den tiefsten Preis konkurrieren. Unsere Stärke liegt in Frische, Qualität, Versorgungssicherheit und Schweizer Herkunft», sagt Trachsel. Kurze Transportwege bedeuteten bessere Frische und tiefere Lieferzeiten, ein echter Mehrwert für Kunden, die Transparenz und regionale Wertschöpfung schätzen.

Mitarbeitende als Erfolgsfaktor

Besonders am Herzen liegt Trachsel das Personal. In der Champignonproduktion sei die Arbeit körperlich anspruchsvoll und nicht für jede Person geeignet. «Umso wichtiger ist ein eingespieltes und zuverlässiges Team, das diese Aufgaben täglich über viele Jahre hinweg mitträgt», betont er. Einige Mitarbeitende seien dem Unternehmen seit fast einer ganzen Generation verbunden, durch mehrere Führungswechsel hindurch.

Der Betrieb läuft 365 Tage im Jahr ohne Unterbruch. «Das ist anspruchsvoll und erfordert viel Einsatz und Verlässlichkeit», sagt Trachsel. Die regionale Verankerung in Seftigen/Burgistein spiele dabei eine grosse Rolle, denn viele Mitarbeitende identifizierten sich mit dem Betrieb und der Region.

Innovation mit Augenmass

Wenn es um Innovation geht, setzt Trachsel auf Pragmatismus. Sinnvoll seien vor allem Schritte, die im Alltag einen direkten Nutzen brächten: Automatisierung in Produktion und Verpackung, bessere Datennutzung und energieeffiziente Technologien. Jüngst konnte eine moderne Einfüllmaschine in Betrieb genommen werden. «Mit einer solchen Anlage zu arbeiten macht grosse Freude, weil sie Qualität, Effizienz und Präzision verbindet», sagt Trachsel.

Auch KI-Anwendungen speziell für die Pilzzucht, etwa zur Erkennung von Pilzen, Planung von Erntemengen oder Optimierung von Abläufen, sieht Trachsel als vielversprechende Entwicklung.

Frische Champignons von Gerber Champignons AG Schweiz

Pflanzliche Ernährung als Chance

Der anhaltende Trend zu pflanzlicher Ernährung kommt Gerber Champignons zugute. «Ich sehe darin klar eine Chance», sagt Trachsel. Champignons seien ein echter Allrounder, vielseitig, natürlich und nährstoffreich. Sie könnten klassische Gerichte bereichern und gleichzeitig als natürlicher Fleischersatz dienen. «Ein Pilz ist enorm vielseitig einsetzbar und kennt fast keine Grenzen.»

Ein weiterer Vorteil: Pilze kennen keine Saison und können regional sowie nachhaltig produziert werden, ein Profil, das perfekt zum Zeitgeist passt.

Ausblick

Urs Trachsel übernimmt ein Unternehmen mit soliden Strukturen und einem erfahrenen Team. Sein Ansatz ist klar: Bewährtes erhalten, gezielt weiterentwickeln und die Gerber Champignons AG als verlässlichen Schweizer Produzenten langfristig im Markt positionieren. Die fast 90-jährige Geschichte des Unternehmens ist dabei kein Hindernis, sondern die beste Grundlage für die Zukunft.

Häufig gestellte Fragen

Welche Strategie verfolgt der neue Geschäftsführer Urs Trachsel?

Urs Trachsel setzt seit Januar 2026 auf eine Kombination aus Kontinuität und gezielter Modernisierung. Er übernimmt ein gut geführtes Unternehmen und will bewährte Strukturen erhalten, gleichzeitig aber Prozesse digitalisieren und neue Technologien wie KI gezielt einsetzen.

Wie ist die Gerber Champignons AG strukturiert?

Die Gerber Champignons AG ist der älteste Champignonzuchtbetrieb der Schweiz, gegründet 1937, mit rund 70 Mitarbeitenden am Standort Seftigen/Burgistein. Seit 2020 gehört das Unternehmen zur Wauwiler Champignons AG, wird aber eigenständig geführt.

Wie positioniert sich Gerber Champignons gegenüber Importware?

Gerber Champignons setzt auf Qualität, Frische und Schweizer Herkunft statt auf Preiskampf. Kurze Transportwege, regionale Wertschöpfung und verlässliche Partnerschaften sind die zentralen Differenzierungsmerkmale gegenüber ausländischer Konkurrenz.

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